Angelina führt ein Pferd ruhig an ein Wasserbecken heran

Ratgeber · 3 Min. Lesezeit

Pferd scheut – was tun? Ursachen & Gelassenheitstraining

Plastiktüte, Pfütze, Traktor – und dein Pferd springt zur Seite. Warum Scheuen normal ist, was im Moment hilft und wie ihr Gelassenheit gemeinsam trainiert.

Eine Plastiktüte im Gebüsch, ein Traktor, eine Pfütze, die gestern noch nicht da war – und dein Pferd springt zur Seite, bleibt wie angewurzelt stehen oder will einfach nur weg. Scheuen gehört zu den häufigsten Gründen, warum Reiterinnen und Reiter unsicher werden. Die gute Nachricht: Gelassenheit lässt sich trainieren.

Warum Pferde scheuen

Pferde sind Fluchttiere. Wer in der Natur bei jedem unbekannten Geräusch erst lange nachdenkt, hat schlechte Karten. Scheuen ist also zunächst einmal völlig normales Pferdeverhalten – und kein Zeichen von Ungehorsam.

  • Pferde sehen anders als wir: Sie haben einen sehr weiten Rundumblick, sehen aber direkt vor und hinter sich schlecht und brauchen länger, um sich an wechselnde Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Ein Schatten auf dem Weg kann für ein Pferd wie ein Loch aussehen.
  • Unbekanntes ist verdächtig: Was neu ist oder sich bewegt – Planen, Fahnen, Mülltonnen, Kinderwagen –, wird erst einmal als mögliche Gefahr eingestuft.
  • Unsicherheit überträgt sich: Wenn du selbst angespannt bist, die Zügel festhältst oder die Luft anhältst, sucht dein Pferd die Gefahr, die du scheinbar schon entdeckt hast.
  • Zu viel Energie: Ein Pferd mit wenig Bewegung und Auslauf bringt seine Energie mit – und die entlädt sich gern beim ersten Anlass.
  • Schmerzen oder Sehprobleme: Wenn dein Pferd plötzlich deutlich schreckhafter ist als sonst, lass es tierärztlich abklären. Auch Augenprobleme können hinter vermehrtem Scheuen stecken.

Was du im Moment des Scheuens tun kannst

  1. Ausatmen. Klingt banal, ist aber das Wichtigste. Deine Ruhe ist das stärkste Signal, das du deinem Pferd geben kannst.
  2. Nicht bestrafen. Wer für seine Angst bestraft wird, lernt: Das unheimliche Ding bedeutet tatsächlich Ärger. Beim nächsten Mal wird das Scheuen stärker.
  3. Abstand schaffen, der funktioniert. Geh so weit weg, bis dein Pferd wieder ansprechbar ist – es kaut, senkt den Kopf oder dreht ein Ohr zu dir.
  4. Schauen lassen. Dein Pferd darf sich das Objekt anschauen. Aus sicherer Entfernung, in seinem Tempo.
  5. Aufgabe geben. Ein paar bekannte Übungen – anhalten, antreten, weichen – lenken die Aufmerksamkeit zurück zu dir.
  6. Im Zweifel absteigen. Wenn du dich im Sattel nicht mehr sicher fühlst, ist Absteigen und Führen keine Niederlage, sondern eine kluge Entscheidung.

Gelassenheitstraining: Schritt für Schritt

Scheuen trainiert man nicht in dem Moment, in dem es passiert. Man trainiert es vorher – in Ruhe und in kleinen Schritten.

1. Erst am Boden

Am Boden bist du sicherer und kannst die Reaktion deines Pferdes besser lesen. Beginne mit Dingen, die dein Pferd nur ein bisschen spannend findet: eine zusammengelegte Plane, ein Regenschirm in der Hand, ein raschelnder Sack.

2. Annähern und zurückgehen

Geh auf das Objekt zu, bis dein Pferd aufmerksam wird – und dann wieder weg. Mit jeder Wiederholung kommt ihr ein Stück näher. Das Weggehen ist dabei die Belohnung: Dein Pferd lernt, dass es sich lohnt, ruhig zu bleiben.

3. Neue Untergründe

Planen, Podeste, Brücken und Wasser sind perfekte Übungen für Gelassenheit. Im Mountain Trail zum Beispiel lernt ein Pferd genau das: Unbekannter Boden ist kein Grund zur Flucht.

4. Dann in den Sattel

Was am Boden sitzt, nimmst du mit in den Sattel – erst auf dem Platz, dann auf kurzen, bekannten Wegen im Gelände. Tipps dazu findest du im Ratgeber „Angst beim Reiten überwinden“.

Häufige Fehler

  • Das Pferd zwingen, direkt am Objekt vorbeizugehen: Das kann funktionieren – oder in einem Sprung enden. Lieber Abstand, der gelingt.
  • Zu viel auf einmal: Heute die Plane, morgen die Flatterbänder, übermorgen der Traktor. Gelassenheit wächst mit Wiederholung, nicht mit Menge.
  • Nur bei „Gefahr“ reagieren: Wer nur dann die Zügel annimmt, wenn es spannend wird, kündigt dem Pferd die Gefahr quasi an.

Wann du dir Unterstützung holen solltest

Wenn Scheuen für dich oder andere gefährlich wird, wenn dein Pferd sich kaum noch beruhigen lässt oder wenn du vor jedem Ausritt Bauchschmerzen hast. Beim Pferdetraining komme ich zu dir in den Stall – in Aachen, Würselen und der ganzen Städteregion – und wir bauen die Gelassenheit gemeinsam auf, genau in eurer Umgebung.

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