Du gibst die Galopphilfe, und statt eines schönen Sprungs kommt der Rücken hoch, der Kopf geht runter – und du hängst irgendwo zwischen Sattel und Hals. Oder dein Pferd buckelt gleich nach dem Aufsteigen, beim ersten Antraben, auf der Wiese. Buckeln ist erschreckend und kann richtig gefährlich werden. Aber es ist fast nie „einfach so“: Ein Pferd, das buckelt, will dir etwas sagen.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Ursachen hinter dem Buckeln stecken können, wie du im Moment selbst sicher bleibst und wie du Schritt für Schritt herausfindest, was dein Pferd braucht.
Vorab, und das ist mir wirklich wichtig: Buckeln ist sehr häufig ein Zeichen von Schmerzen oder Unwohlsein. Wenn dein Pferd neu, plötzlich oder immer stärker buckelt, lass es zuerst tierärztlich untersuchen und die Sattellage prüfen – bevor du trainierst.
Warum buckelt ein Pferd? Die häufigsten Ursachen
Hinter dem Buckeln stecken meistens eine oder mehrere dieser Gründe. Oft hängen sie zusammen: Ein Pferd, das einmal Schmerzen hatte, kann das Buckeln beibehalten, auch wenn der Schmerz längst weg ist.
Körperliche Ursachen
- Der Sattel passt nicht (mehr): Pferde verändern sich – durch Training, Pause, Alter oder Gewicht. Ein Sattel, der vor einem Jahr gepasst hat, kann heute drücken, kippeln oder die Schulter einklemmen.
- Rückenschmerzen und Verspannungen: Ein fester oder schmerzender Rücken macht das Tragen eines Reiters unangenehm – besonders in Momenten, in denen sich das Pferd stark aufwölben muss, wie beim Angaloppieren.
- Zähne, Gebiss, Zäumung: Haken, scharfe Kanten oder ein unpassendes Gebiss können dazu führen, dass ein Pferd gegen die Hand geht und sich mit dem ganzen Körper wehrt.
- Lahmheiten, Hufe, Gelenke: Auch Probleme in den Beinen zeigen sich manchmal nicht als deutliches Lahmen, sondern als Unwilligkeit, Buckeln oder Hektik im Galopp.
- Gurt und Gurtlage: Ein zu schnell oder zu fest angezogener Gurt ist für manche Pferde unangenehm. Wenn dein Pferd beim Gurten schon die Ohren anlegt oder schnappt, ist das ein Hinweis.
- Magen und Verdauung: Auch Probleme im Bauchraum können sich unter dem Sattel als Abwehr zeigen.
Ich bin keine Tierärztin und stelle keine Diagnosen. Ich kann dir aber sagen: Wenn ein Training gegen das Buckeln einfach nicht anschlägt, lohnt sich fast immer noch einmal der Blick auf den Körper.
Ursachen im Reiten und Training
- Widersprüchliche Hilfen: Treiben und gleichzeitig am Zügel festhalten heißt für das Pferd „Gas und Bremse zugleich“. Manche Pferde lösen diese Spannung, indem sie nach oben ausweichen.
- Unausbalancierter Sitz: Wer sich beim Angaloppieren nach vorn wirft, mit den Beinen klammert oder hinter der Bewegung bleibt, macht es dem Pferd schwer, sauber anzuspringen.
- Zu viel zu früh: Ein junges oder wenig trainiertes Pferd hat noch nicht die Muskulatur, um einen Reiter im Galopp gut zu tragen. Das ist anstrengend – und Buckeln kann ein Ventil sein.
- Gelernt ist gelernt: Wenn ein Pferd ein paar Mal erlebt hat, dass nach dem Buckeln die Arbeit aufhört oder der Reiter absteigt, hat es eine Lösung gefunden, die funktioniert.
Energie, Übermut, Umgebung
- Zu viel Energie, zu wenig Bewegung: Nach Stehtagen, bei kaltem Wind oder nach einer Futterumstellung haben manche Pferde schlicht Hummeln im Hintern.
- Aufregung: Andere Pferde galoppieren vorbei, ein offenes Feld, ein Hund im Gebüsch – dann kommt Freude oder Anspannung manchmal als Bocksprung heraus.
Pferd buckelt beim Angaloppieren: worauf du achten solltest
Das Buckeln beim Angaloppieren ist so häufig, dass es einen eigenen Abschnitt verdient. Der Übergang in den Galopp ist für ein Pferd körperlich anspruchsvoll: Es muss sich hinten setzen, den Rücken aufwölben und mit einem Hinterbein abspringen. Genau da merkt es einen drückenden Sattel, einen festen Rücken oder eine unklare Hilfe besonders deutlich.
Ein paar Fragen, die dir helfen, das Muster zu erkennen:
- Buckelt dein Pferd auf beiden Händen oder nur auf einer? Eine deutliche Seitenabhängigkeit spricht eher für eine körperliche Ursache.
- Buckelt es auch ohne Reiter an der Longe oder im Freilauf beim Angaloppieren?
- Passiert es immer beim ersten Galopp oder erst, wenn das Pferd müde wird?
- Hat sich in letzter Zeit etwas verändert – Sattel, Gebiss, Haltung, Futter, Trainingsmenge?
Schreib dir die Antworten auf. Für die Tierärztin, für den Sattler und auch für eine Trainerin sind solche Beobachtungen Gold wert.
Was du tun kannst, wenn dein Pferd buckelt
Im Moment selbst geht es nur um eins: Sicherheit für dich und dein Pferd.
- Kopf nicht runter lassen: Ein Pferd buckelt am stärksten, wenn es den Kopf weit nach unten nehmen kann. Halte mit einem Zügel Kontakt und nimm den Kopf eher seitlich zu dir, statt mit beiden Händen nach hinten zu ziehen.
- Vorwärts statt festhalten: Ein Pferd, das sich vorwärts bewegt, kann schlechter buckeln als eins, das gebremst wird. Treiben, aber ruhig – nicht hektisch.
- Mitsitzen, nicht klammern: Fersen tief, Oberkörper eher leicht zurück, Beine lang. Wer die Knie zusammenpresst, wird nach oben gehebelt.
- Durchparieren und durchatmen: Wenn das Pferd wieder ruhig ist, in den Schritt kommen und ausatmen. Kein Schimpfen, kein Rucken am Zügel.
- Nicht sofort aufhören – aber auch nicht durchreiten: Mach noch eine kleine, einfache Aufgabe, die gut klappt, und beende die Einheit dann ruhig. So lernt dein Pferd nicht, dass Buckeln das Ende der Arbeit bedeutet.
Ganz klar: Wenn du dich nicht mehr sicher fühlst, steig ab. Das ist keine Niederlage. Ein Sturz bringt dich und dein Pferd viel weiter zurück als eine abgebrochene Reitstunde. Und Helm und Sicherheitsweste sind bei einem Pferd, das buckelt, keine Option, sondern Pflicht.
Schritt für Schritt raus aus dem Buckeln
1. Körper abklären
Tierärztliche Untersuchung, Zähne, Hufe, Sattelkontrolle durch einen Sattler. Klingt nach Aufwand, spart aber oft Monate an Frust. Training kann eine körperliche Ursache nicht wegarbeiten.
2. Zurück auf den Boden
Bevor du wieder in den Sattel steigst, schau dir an, wie dein Pferd am Boden auf dich reagiert. Hält es an, wenn du anhältst? Geht es rückwärts, weicht es mit der Hinterhand, bleibt es ruhig stehen? Ein Pferd, das am Boden klare Signale versteht und dir vertraut, ist auch im Sattel berechenbarer. Einen guten Einstieg findest du in meinem Ratgeber „Bodenarbeit: 5 Übungen für Anfänger“.
3. Galopp ohne Reiter
Lass dein Pferd an der Longe oder im Freilauf angaloppieren. Buckelt es dort auch, liegt die Ursache eher nicht in deinem Sitz. Galoppiert es entspannt, schau dir den Übergang mit Reiter genauer an – am besten mit jemandem, der von unten zuschaut oder filmt.
4. Übergänge vorbereiten
Viele Pferde buckeln, weil der Galopp „aus dem Nichts“ kommt. Bereite ihn vor: ruhiger, gleichmäßiger Trab, eine Ecke oder ein großer Bogen, dann eine klare, feine Hilfe. Lieber zehnmal einen sauberen Übergang aus einem guten Trab als einmal einen gewollten Galopp mit Bocksprung.
5. Kurze Galoppstrecken, viel Lob
Ein paar Galoppsprünge, dann wieder durchparieren und loben. Die Strecken werden erst länger, wenn das Anspringen entspannt klappt. Das baut Muskulatur auf und gibt dem Pferd Sicherheit.
6. Energie vorher rauslassen
Hat dein Pferd nach Stehtagen zu viel Energie, darf es sich vorher auf dem Paddock, in der Halle oder an der Longe bewegen. Das ist kein Schummeln, sondern fair – für euch beide.
Häufige Fehler
- Durchreiten um jeden Preis: „Da muss er durch“ hilft einem Pferd mit Schmerzen nicht, sondern bringt ihm bei, sich noch stärker zu wehren.
- Strafen nach dem Buckeln: Gerte, Rucken am Zügel oder Anschreien erhöhen die Spannung – und damit die Wahrscheinlichkeit für den nächsten Bocksprung.
- Den Sattel nie prüfen lassen: Gerade wenn dein Pferd Muskulatur aufgebaut oder abgebaut hat, ist ein Sattelcheck einer der einfachsten Schritte.
- Galopp ganz vermeiden: Aus Angst gar nicht mehr zu galoppieren, löst das Problem nicht. Besser: in kleinen, sicheren Schritten wieder aufbauen.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Wenn dein Pferd so heftig buckelt, dass du schon gestürzt bist oder kurz davor warst, wenn das Buckeln trotz abgeklärter Gesundheit nicht weniger wird oder wenn du inzwischen mit Bauchschmerzen in den Sattel steigst. Dann lohnt sich ein Blick von außen.
Ich komme als mobile Pferdetrainerin zu dir in den Stall – in Aachen, Würselen und der ganzen Städteregion. Wir schauen uns gemeinsam an, wann und wie dein Pferd buckelt, arbeiten zuerst am Boden und bauen das Reiten dann in kleinen Schritten wieder auf. Mehr dazu findest du auf der Seite Problempferd-Training. Und wenn das Buckeln bei dir Spuren hinterlassen hat und du dich im Sattel nicht mehr wohlfühlst, hilft dir vielleicht mein Ratgeber „Angst beim Reiten überwinden“.








