Du willst dein Pferd nur kurz von der Weide holen – und es läuft dir fast über die Füße, zieht zum Gras, überholt dich oder schiebt dich mit der Schulter zur Seite. Spätestens am Weidetor wird es eng. Führen, eigentlich die einfachste Sache der Welt, wird zum täglichen Kraftakt.
Drängeln beim Führen ist kein Schönheitsfehler. Es ist ein Sicherheitsthema – und ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kommunikation zwischen dir und deinem Pferd gerade nicht passt. Die gute Nachricht: Genau hier setzt Bodenarbeit an, und oft zeigt sich schon nach wenigen Einheiten ein spürbarer Unterschied.
Warum dein Pferd drängelt
Es weiß nicht, wo sein Platz ist
In einer Pferdeherde wird ständig ausgehandelt, wer wem ausweicht. Ranghöhere Pferde bewegen andere – nicht umgekehrt. Wenn du deinem Pferd beim Führen ausweichst, ihm Platz machst oder dich ziehen lässt, liest es das ganz klar: Hier bestimme ich den Weg.
Unsicherheit und Angst
Nicht jedes Drängeln ist „Respektlosigkeit“. Viele Pferde drängeln, weil sie unsicher sind und Schutz suchen – ein Fluchttier sucht Nähe, wenn etwas unheimlich wirkt. Ein ängstliches Pferd braucht deshalb vor allem eines: eine ruhige, klare Führungsperson, an der es sich orientieren kann.
Unklare Signale
Ein ständig gespannter Strick, eine Hand, die zieht, ein Mensch, der vor dem Pferd her läuft und sich dauernd umdreht – für das Pferd ist das Rauschen, keine Information. Wenn Signale unklar sind, entscheidet das Pferd selbst.
Aufregung und Energie
Ein Pferd, das den ganzen Tag steht, oder eines, das weiß, dass es gleich Futter gibt, hat schlicht mehr Energie, als es gerade kontrollieren kann. Das ist keine Entschuldigung für Rempeln – aber ein Grund, die Energie sinnvoll zu lenken.
Die richtige Position beim Führen
- Auf Höhe von Hals und Schulter gehen, nicht vor dem Pferd. So siehst du, was es tut, und bist nicht im Weg, wenn es erschrickt.
- Der Strick hängt locker durch. Ein lockerer Strick ist das Ziel – er zeigt, dass dein Pferd dir folgt, ohne gezogen zu werden.
- Dein Körper führt, nicht deine Hand. Pferde lesen Körpersprache: Richtung, Tempo und Energie kommen zuerst von dir, der Strick ist nur die Absicherung.
- Dein Raum gehört dir. Stell dir eine Blase von etwa einer Armlänge um dich vor. Dein Pferd betritt sie nur, wenn du es einlädst.
5 Übungen aus der Bodenarbeit
1. Anhalten und Stehenbleiben
Geh ein paar Schritte, atme hörbar aus, bleib stehen. Dein Pferd soll mit dir anhalten – nicht zwei Schritte später. Klappt das nicht, gibst du ein klares Stoppsignal über den Strick. Dann: stehen, bis du wieder losgehst. Diese Übung ist die Grundlage für alles.
2. Rückwärtsrichten
Aus dem Stand dein Pferd ein paar Schritte rückwärts schicken – zuerst mit Körpersprache, falls nötig mit leichtem Impuls am Strick. Rückwärts ist für Pferde eine Frage des Vertrauens und des Respekts zugleich.
3. Tempowechsel
Mal langsamer, mal zügiger, mal anhalten. Dein Pferd soll sich deinem Tempo anpassen. Überholt es, wendest du ruhig ab oder hältst an – so lernt es, auf dich zu achten.
4. Seitlich weichen
Mit einem Zeigen der Hand in Richtung Schulter oder Hinterhand soll dein Pferd einen Schritt zur Seite machen. Das ist die direkte Antwort auf Rempeln: Du bewegst das Pferd, nicht umgekehrt.
5. Führen durch „Engstellen“
Tor, Stalltür, zwischen zwei Pylonen hindurch: Genau dort eskaliert es im Alltag oft. Übt ruhig dort, wo es brenzlig wird – erst ohne Ablenkung, dann mit.
Konsequent, aber fair
Der wichtigste Satz beim Führtraining: Jede Begegnung mit deinem Pferd ist Training. Wenn du fünf Minuten konsequent übst und dich danach wieder zur Weide ziehen lässt, lernt dein Pferd vor allem eins: Manchmal gilt es, manchmal nicht.
Konsequent heißt dabei nicht hart. Es heißt: klar, ruhig und jedes Mal gleich. Ein Pferd, das versteht, was von ihm erwartet wird, entspannt sich – und genau das willst du: ein Pferd, das freiwillig neben dir geht, weil es dir vertraut.
Wann Unterstützung sinnvoll ist
Wenn du dich beim Führen unsicher fühlst, wenn dein Pferd dich schon einmal umgerannt hat oder wenn ihr trotz Übung nicht weiterkommt. In der Bodenarbeit schaue ich mir euch beide an – oft liegt die Lösung in einer kleinen Veränderung deiner Körpersprache. Ich komme zu dir in den Stall in Aachen, Würselen und Umgebung. Übrigens: Die gleiche Basis braucht dein Pferd auch fürs Hängertraining – und wenn es schon auf der Weide vor dir weggeht, hilft der Ratgeber „Pferd lässt sich nicht einfangen?“.








