Du bückst dich, fährst das Bein hinunter, tippst an die Fessel – und dein Pferd stellt sich nur noch fester hin. Oder es gibt den Huf kurz, reißt ihn dir nach zwei Sekunden wieder aus der Hand und stampft auf. Spätestens wenn der Hufschmied kommt, wird daraus Stress für alle. Ein Pferd, das die Hufe nicht gibt, ist aber selten „stur“: Meist fehlt ihm Gleichgewicht, Vertrauen oder schlicht eine klare Idee davon, was du willst.
Hufegeben lässt sich üben wie jede andere Aufgabe in der Bodenarbeit – in kleinen Schritten, ein paar Minuten am Tag. In diesem Ratgeber zeige ich dir, woran es meistens liegt, was du sofort ändern kannst und wie du das Hufegeben so aufbaust, dass auch der Termin beim Schmied entspannt wird.
Vorab: Wenn dein Pferd die Hufe früher problemlos gegeben hat und jetzt plötzlich nicht mehr, steckt häufig Schmerz dahinter – im Huf selbst, in den Gelenken oder im Rücken. Lass das bitte tierärztlich abklären, bevor du trainierst. Ein Pferd, dem das Stehen auf drei Beinen wehtut, kann nicht „besser erzogen“ werden.
Warum ein Pferd die Hufe nicht gibt
Für ein Fluchttier ist ein angehobenes Bein eine echte Zumutung: Es kann in dem Moment nicht weglaufen. Dass Pferde uns ihre Hufe überhaupt anvertrauen, ist ein großer Vertrauensbeweis. Die häufigsten Gründe, warum es nicht klappt:
- Gleichgewicht: Viele Pferde stehen so, dass sie das Gewicht gar nicht auf die anderen drei Beine verlagern können. Sie geben den Huf nicht, weil sie sonst umkippen würden – nicht, weil sie nicht wollen.
- Schmerzen oder Unwohlsein: Hufprobleme, Arthrose, Verspannungen im Rücken oder ein älteres Pferd, dem das lange Halten schwerfällt.
- Unklare Signale: Mal wird an der Fessel gezogen, mal gegen die Schulter gedrückt, mal ins Kastanienhaar gekniffen. Für das Pferd ist nicht erkennbar, was die eigentliche Frage ist.
- Zu lange festhalten: Wenn das Bein jedes Mal so lange oben bleibt, bis es unangenehm wird, lernt das Pferd, sich zu wehren – und zwar früh.
- Gelerntes Wegziehen: Wer den Huf loslässt, sobald das Pferd zerrt, belohnt genau das Zerren. Nach ein paar Wiederholungen ist das eine feste Gewohnheit.
- Schlechte Erfahrungen: Ein hektischer Termin beim Hufschmied, ein Bein, das zu hoch oder zu weit zur Seite gezogen wurde – Pferde merken sich so etwas.
Was du sofort ändern kannst
- Erst das Pferd gerade hinstellen. Bevor du ein Bein anhebst, schau, ob dein Pferd auf allen vier Beinen gleichmäßig steht. Steht das Bein, das du willst, weit unter dem Bauch oder weit hinten, wird es schwer. Ein Schritt vor oder zurück löst das oft schon.
- Gewicht verlagern lassen. Lehn dich leicht mit der Schulter an die Schulter (vorne) oder an die Hüfte (hinten) deines Pferdes. Du willst es nicht schieben, sondern ihm zeigen: Verlagere dein Gewicht auf das andere Bein. Sobald es das tut, wird das Bein leicht.
- Ein Signal, immer gleich. Such dir eine Hilfe aus – zum Beispiel mit der Hand das Bein hinunterstreichen und an der Fessel leicht zupfen – und bleib dabei. Wer im Stall noch mit putzt, sollte es genauso machen.
- Kurz halten, du entscheidest das Ende. Lieber zwei Sekunden und dann bewusst absetzen, bevor das Pferd zerrt. Du stellst den Huf ab, nicht dein Pferd.
- Bein tief und unter dem Pferd halten. Nicht zur Seite ziehen und nicht hochreißen. Je natürlicher die Haltung, desto länger kann dein Pferd stehen.
Sicherheit: Stell dich immer seitlich neben das Pferd, mit dem Gesicht Richtung Schweif, und nie direkt hinter ein Hinterbein. Knie dich nicht hin – in der Hocke oder im leichten Bücken kannst du jederzeit weg. Binde dein Pferd zum Üben nur an, wenn es ruhig steht; besser hält eine zweite Person den Strick locker in der Hand.
Hufe geben üben: Schritt für Schritt
Plan für das Training ein paar Wochen ein, mit kurzen Einheiten von fünf bis zehn Minuten. Üben solltest du nicht an dem Tag, an dem der Schmied kommt, sondern an ganz normalen Tagen, wenn du Ruhe hast.
1. Beine anfassen dürfen
Streiche mit der flachen Hand von der Schulter oder Kruppe an den Beinen hinunter bis zum Huf. Bleibt dein Pferd entspannt stehen, kurz kraulen und wieder hoch. Zieht es das Bein weg oder tritt es, gehst du einen Schritt zurück: nur bis zum Knie, nur bis zum Sprunggelenk. Erst wenn alle vier Beine überall angefasst werden dürfen, geht es weiter.
2. Gewicht verlagern – ohne anheben
Lehn dich an und gib dein Signal. Sobald dein Pferd das Gewicht vom Bein nimmt – auch wenn der Huf noch am Boden ist –, hörst du sofort auf und lobst. Das ist die eigentliche Antwort auf deine Frage. Viele Menschen übersehen diesen kleinen Moment und machen weiter, bis das Pferd „richtig“ reagiert.
3. Kurz anheben und selbst absetzen
Jetzt hebst du den Huf ein paar Zentimeter an, zählst bis zwei und stellst ihn ruhig wieder ab. Nicht fallen lassen – dein Pferd soll lernen, dass das Bein sicher wieder auf den Boden kommt. Steigere die Zeit langsam: drei Sekunden, fünf Sekunden, zehn Sekunden.
4. Auskratzen und Hufe abklopfen
Wenn das Halten sicher klappt, kommen die Geräusche und Berührungen dazu, die der Schmied auch macht: auskratzen, mit der Hand oder dem Hufkratzer leicht an die Hufwand klopfen, den Huf kurz nach vorn auf dein Knie nehmen. Immer nur so viel, wie dein Pferd entspannt mitmacht.
5. Andere Orte, andere Menschen
Dein Pferd gibt die Hufe in der Stallgasse? Dann übe auch auf dem Hof, auf dem Putzplatz und in der Halle. Und lass eine vertraute zweite Person die Hufe aufheben, damit dein Pferd lernt, dass die Aufgabe dieselbe bleibt – egal, wer fragt.
Wenn das Pferd beim Hufschmied unruhig ist
Der Termin beim Schmied ist für viele Pferde der schwierigste Moment: fremder Mensch, Geräusche, Geruch, längeres Halten. Ein paar Dinge helfen fast immer:
- Bewegung vorher: Ein kurzer Spaziergang oder etwas Bodenarbeit, bevor der Schmied kommt. Ein Pferd, das sich bewegen durfte, steht danach ruhiger.
- Vertrauter Platz: Wenn möglich dort, wo dein Pferd auch sonst die Hufe gibt – nicht an einem neuen, aufregenden Ort.
- Pausen zulassen: Zwischendurch das Bein abstellen lassen. Die meisten Hufschmiede sind dankbar, wenn ein Pferd ehrlich zeigt, dass es eine Pause braucht, statt plötzlich zu zerren.
- Gesellschaft: Ein ruhiges Stallkumpel-Pferd in Sichtweite hilft Pferden, die nicht gern allein sind.
- Offen sprechen: Sag deinem Hufschmied, wenn ihr gerade am Hufegeben arbeitet. Gemeinsam lässt sich gut abstimmen, wie lange und wie hoch ein Bein gehalten werden kann.
Häufige Fehler
- Mit Kraft hochziehen: Gegen ein Pferd, das sein Gewicht nicht verlagert, hast du keine Chance – und es lernt nur, sich stärker dagegenzustemmen.
- Loslassen, wenn das Pferd zerrt: Wenn es gefahrlos geht, halte den Huf ruhig weiter und setze ihn ab, sobald dein Pferd nachgibt. Wenn es gefährlich wird, lass los – und mach die nächsten Wiederholungen kürzer.
- Strafe beim Wegziehen: Schimpfen oder ein Klaps machen das Bein nicht leichter, sondern das Pferd angespannter.
- Nur am Schmiedtag üben: Dann bedeutet Hufegeben für dein Pferd immer Aufregung. Trainiert wird an den Tagen dazwischen.
- Das Gleichgewicht vergessen: Fast jedes „Mein Pferd gibt den Huf nicht“ wird leichter, wenn das Pferd vorher gerade steht.
Hufegeben ist Bodenarbeit
Ein Pferd, das am Boden gelernt hat, auf feine Signale zu reagieren, ruhig stehen zu bleiben und Gewicht zu verlagern, gibt in der Regel auch die Hufe leichter. Die Grundlagen dafür findest du im Ratgeber „Bodenarbeit: 5 Übungen für den Anfang“ – vor allem Anhalten und Weichen helfen direkt. Und wenn dein Pferd beim Führen zum Putzplatz schon drängelt, lohnt ein Blick in „Pferd drängelt beim Führen?“.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Wenn dein Pferd beim Aufheben tritt oder steigt, wenn der Hufschmied nur noch mit Sedierung arbeiten kann oder wenn du dich beim Hufegeben schlicht nicht mehr sicher fühlst. Dann ist es sinnvoll, dass jemand von außen schaut, wie du stehst, wie dein Pferd steht und wo genau es hakt. In der Bodenarbeit komme ich zu dir in den Stall – nach Aachen, Würselen, Herzogenrath, Alsdorf und in die ganze Städteregion – und wir üben das Hufegeben dort, wo es später auch klappen muss.







