Wichtig vorab: Dieser Artikel ersetzt keinen Tierarzt. Bei Verdacht auf Kolik rufst du immer sofort deinen Tierarzt an. Die Informationen hier helfen dir, die Anzeichen früh zu erkennen und die Zeit bis zum Eintreffen des Tierarztes sinnvoll zu nutzen.
Kolik ist einer der häufigsten Notfälle beim Pferd. Der Begriff beschreibt dabei keine einzelne Krankheit, sondern Bauchschmerzen mit ganz unterschiedlichen Ursachen – von harmlosen Krämpfen bis hin zu lebensbedrohlichen Darmverlagerungen. Von außen lässt sich das nicht unterscheiden. Genau deshalb gilt: Jede Kolik ist ein Fall für den Tierarzt.
Typische Anzeichen einer Kolik
Pferde zeigen Schmerzen oft subtil. Achte besonders auf Veränderungen im gewohnten Verhalten:
- Unruhe, häufiges Hinlegen und Aufstehen, Wälzen
- Scharren mit den Vorderbeinen
- Umschauen zum Bauch („Flankenschauen“), Treten gegen den Bauch
- Futterverweigerung, auch Lieblingsfutter wird nicht angerührt
- Wenig oder gar kein Kotabsatz, auffällig veränderter Kot
- Schwitzen ohne Anstrengung
- Gestreckte Haltung wie zum Urinieren, ohne dass etwas passiert
- Teilnahmslosigkeit, das Pferd steht abseits und döst ungewöhnlich
- Erhöhter Puls und schnellere Atmung
Nicht jedes Pferd zeigt alle Anzeichen. Gerade stille, „brave“ Pferde leiden oft leise. Wenn dein Pferd sich anders verhält als sonst und du ein ungutes Gefühl hast: Vertrau dem Gefühl.
Vitalwerte prüfen: die Normalwerte
Wer die normalen Werte seines Pferdes kennt, kann dem Tierarzt am Telefon wertvolle Informationen geben. Übe das Messen am besten, wenn dein Pferd gesund und entspannt ist.
| Wert | Normal (in Ruhe) | So misst du |
|---|---|---|
| Puls | ca. 28–40 Schläge pro Minute | An der Unterkieferarterie ertasten, 15 Sekunden zählen, mal 4 |
| Atmung | ca. 8–16 Atemzüge pro Minute | Heben und Senken der Flanke zählen |
| Temperatur | ca. 37,5–38,2 °C | Digitales Thermometer rektal, seitlich stehen |
Hör außerdem mit dem Ohr an beiden Flanken nach Darmgeräuschen. Ein gesunder Darm gluckert und grummelt regelmäßig. Völlige Stille ist ein Alarmzeichen – das solltest du dem Tierarzt unbedingt mitteilen.
Was du tun solltest, bis der Tierarzt kommt
- Ruhe bewahren und sofort den Tierarzt anrufen. Nicht abwarten, ob es „von selbst besser wird“.
- Vitalwerte messen und notieren: Puls, Atmung, Temperatur, Darmgeräusche, letzter Kotabsatz, Uhrzeit der ersten Anzeichen.
- Futter entfernen. Ob dein Pferd Wasser bekommen darf, besprichst du mit dem Tierarzt.
- Den Anweisungen des Tierarztes folgen – zum Beispiel, ob du dein Pferd ruhig im Schritt führen sollst.
- Einen sicheren Platz vorbereiten: gut ausgeleuchtet, mit Platz zum Untersuchen, Stallhalfter und Strick bereit.
Was du auf keinen Fall tun solltest
- Keine Medikamente ohne Rücksprache geben. Schmerzmittel können Symptome verschleiern und die Diagnose erschweren.
- Nicht füttern, auch nicht „zur Beruhigung“.
- Das Pferd nicht bis zur Erschöpfung führen oder longieren.
- Dich nicht selbst in Gefahr bringen. Ein Pferd mit starken Schmerzen kann sich unkontrolliert hinwerfen. Geh nicht zu einem sich wälzenden Pferd in die Box.
Kolik vorbeugen
Nicht jede Kolik lässt sich verhindern, aber viele Risiken lassen sich verringern:
- Regelmäßige Fütterungszeiten und ausreichend Raufutter
- Futterumstellungen immer langsam, über mehrere Tage bis Wochen
- Jederzeit Zugang zu frischem, sauberem Wasser – auch im Winter
- Viel Bewegung, idealerweise täglicher Auslauf
- Regelmäßige Zahnkontrollen und ein Entwurmungskonzept in Absprache mit dem Tierarzt
Sicher handeln lernen – gemeinsam im Stall
Im Notfall hilft nur, was man vorher geübt hat. Deshalb biete ich einen Erste-Hilfe-Kurs fürs Pferd an – für Stallgemeinschaften und Vereine in Aachen, Würselen und der Städteregion, direkt bei euch vor Ort. Dort üben wir das Messen der Vitalwerte am eigenen Pferd, besprechen typische Notfälle wie Kolik und Verletzungen und klären, was in die Stallapotheke gehört.






