Die ganze Woche freust du dich aufs Reiten. Und dann sitzt du oben – und der Bauch zieht sich zusammen. Jedes Rascheln im Gebüsch, jeder kleine Hüpfer lässt dein Herz schneller schlagen. Irgendwann reitest du nur noch in der Halle. Oder du putzt dein Pferd lieber und redest dir ein, dass das ja auch schön ist.
Angst beim Reiten ist weit verbreitet – gerade bei Erwachsenen, bei Wiedereinsteigerinnen und nach einem Sturz. Und sie ist kein Charakterfehler. Sie ist ein Signal: Dir fehlt gerade die Sicherheit, dass du dein Pferd lesen und in jeder Situation führen kannst. Genau diese Sicherheit lässt sich aufbauen.
Woher die Angst im Sattel kommt
- Ein Sturz oder Beinahe-Unfall – der Körper merkt sich das, auch wenn der Kopf längst weiß, dass es eine Ausnahme war. Wenn dein Pferd dich mit Bocksprüngen verunsichert, lies auch „Pferd buckelt beim Reiten“.
- Eine lange Reitpause – durch Schwangerschaft, Job, Verletzung. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist eingerostet.
- Ein neues oder junges Pferd, dessen Reaktionen du noch nicht einschätzen kannst.
- Das Gefühl von Kontrollverlust – wenn du nicht weißt, was du tun sollst, falls dein Pferd erschrickt.
Ganz wichtig: Angst überträgt sich. Dein Pferd spürt jede Anspannung – und reagiert darauf, indem es selbst aufmerksamer und schreckhafter wird. Das ist der Kreislauf, den wir durchbrechen wollen.
6 Schritte zu mehr Sicherheit
1. Benenne deine Angst konkret
„Ich habe Angst beim Reiten“ ist zu groß, um daran zu arbeiten. Schreib auf, wann genau die Angst kommt: beim Aufsteigen? Im Galopp? Im Gelände? Wenn andere Pferde auf dem Platz sind? Je konkreter die Situation, desto gezielter können wir üben – und desto kleiner wird der Berg.
2. Starte am Boden
Sicherheit im Sattel beginnt am Boden. Wenn du dein Pferd vom Boden aus lesen und führen kannst – anhalten, rückwärts, weichen –, weißt du, dass es auf dich hört. Dieses Vertrauen nimmst du mit in den Sattel. Übungen aus der Bodenarbeit sind deshalb oft der beste erste Schritt gegen Angst beim Reiten.
3. Schaffe dir einen sicheren Rahmen
- Reite zuerst dort, wo du dich am wohlsten fühlst – meist in der Halle oder auf dem Platz.
- Wähle ruhige Zeiten, wenn wenig los ist.
- Sorge für eine Begleitperson, die dich unterstützt und nicht kommentiert.
- Trag Helm und bei Bedarf eine Sicherheitsweste. Gute Ausrüstung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung.
4. Kleine Ziele – und dann aufhören
Setz dir für jede Einheit ein kleines, erreichbares Ziel: fünf Minuten entspannter Schritt, drei ruhige Übergänge, eine Runde Trab. Hast du es geschafft, hörst du auf – mit einem guten Gefühl. So speichert dein Kopf Erfolge statt Angst. Lieber zehn kurze, gute Einheiten als eine lange, in der du über deine Grenze gehst.
5. Atmung und Sitz als Werkzeug
Wer Angst hat, hält die Luft an und macht sich steif – und genau das irritiert das Pferd. Übe bewusst: lang ausatmen, Schultern sinken lassen, Gewicht in die Fersen. Und lerne ein, zwei „Notfall-Werkzeuge“, zum Beispiel wie du dein Pferd sicher anhältst oder abwendest. Zu wissen, was du im Ernstfall tust, nimmt enorm viel Druck.
6. Hol dir Begleitung, die dich ernst nimmt
„Stell dich nicht so an“ hat noch niemandem geholfen. Gute Begleitung heißt: Deine Angst wird ernst genommen, das Tempo bestimmst du, und jede Übung baut auf der letzten auf. Im Reitunterricht bei Angst arbeite ich genau so – auf deinem eigenen Pferd, in deinem Stall, in deinem Tempo.
Wann Angst ein Warnsignal ist
Manchmal ist Angst auch berechtigt: wenn Pferd und Reiter nicht zusammenpassen, wenn das Pferd Schmerzen hat oder wenn es wirklich gefährliches Verhalten zeigt. Dann geht es nicht darum, die Angst „wegzutrainieren“, sondern die Ursache zu klären. Ein ehrlicher Blick von außen hilft, das zu unterscheiden.
Du bist nicht allein
Angst im Sattel ist eines der häufigsten Themen unter Reiterinnen und Reitern – und mit der richtigen Begleitung kommt irgendwann der Moment, in dem du oben sitzt und merkst: Ich atme. Ich genieße das gerade. Wenn du diesen Moment wieder erleben willst, schreib mir – ich komme zu dir in den Stall, in Aachen, Würselen und der ganzen Städteregion.








